Gelassenheit

Ein Sehnsuchtsbegriff der Gegenwart, ein Gegenzustand zu Flexibilität und Agilität?

Gelassen wäre man gern – nicht aufgeregt, nicht gestresst, nicht angreifbar.
Gelassen nimmt man etwas – man nimmt es entweder nicht wichtig oder will es nicht an sich ran lassen, oder weiss, dass es sowieso wieder anders wird.
Gelassen gibt man sich – will damit souverän wirken, auch wenn es innerlich kocht.
Vielleicht würde man auch einfach nur gerne in Ruhe gelassen werden.
Oder etwas einfach so lassen, wie es ist – und damit gelassen sein…oder werden.

Vor einigen Monaten habe ich ein Buch geschenkt bekommen: Gelassenheit – Über eine andere Haltung zur Welt, von Thomas Strässle.
Schön, was hier zu einem Wort alles recherchiert und geschrieben wurde. Was alles schon Menschen in verschiedenen Jahrhunderten zu diesem Wort gedacht haben.

Sei es eine lange Liste von Synonymen: von „Abgeklärtheit“ über „Besinnlichkeit…Geduld…Leidenschaftslosigkeit…Stille…Unempfindlichkeit“ bis zu „Zurückhaltung“. Also unterschiedliche Facetten von Lassen & Zulassen.
Sei es eine Sicht auf die Gegensätze, dem Nicht-Zulassen: von „Aufregung“ über „Hektik…Getriebenheit…Empörung“ bis zu „Engagement“.
Sei es eine historische Reise durch die Bedeutung und Herkunft der Gelassenheit. Der Begriff kommt z.B. aus der Mystik. Meister Eckhart nutzt ihn als erster irgendwann Ende des 13./Anfang des 14. Jhd. – und spricht darüber, was es denn heisse, zu lassen und gelassen zu werden.
Alles beginnt beim eigenen Ich.

Bevor ich aber das ganze Buch zusammenfasse, lest es einfach selbst. Es gibt neue Perspektiven auf das Thema.
Oder lest die Zusammenfassung im Hamburger Abendblatt vom 3.4.13.

Für Leadership und Zusammenarbeit ist Gelassenheit für mich DAS „Grundnahrungsmittel“. Sie nährt die Freude an der gemeinsamen Lösung von Herausforderungen, die Motivation sich einzubringen. Sie öffnet Raum für Kreativität.

Die Gelassenheit, die ich meine, zeigt sich in: Zuhören, Verstehen wollen, Raum geben, Lösungen entstehen lassen, Diversität aushalten, Konflikte kreativ nutzen wollen, sich nicht angegriffen fühlen, Annahmen und Tatsachen unterscheiden können – und Augenzwinkern können…

Ich wünsche euch eine schöne Woche!
Lieben Gruss – Martina

Seit ich mich der Zeit ergeben,/ fühl` ich etwas in mir leben,/ warme, wundervolle Ruh`./ Seit ich scherze unumwunden/ mit den Tagen, mit den Stunden,/ schliessen meine Klagen zu.
Und ich bin der Bürd` entladen,/ meiner Schulden, die mir schaden,/ durch ein unverblümtes Wort:/ Zeit ist Zeit, sie mag entschlafen,/ immer findet sie als braven/ Menschen mich am alten Ort.
Robert Walser, 1899 – Gelassenheit

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